Warum eine Narben-Entstörung sinnvoll ist

Narben und ihre Entstörung.

Dass Narben mehr als nur Schönheitsfehler sind und den Körper in seiner reibungslosen Funktion stören können, ist mittlerweile unumstritten. 

Aber warum ist das eigentlich so? 

Wenn wir uns verletzen, beginnt unser Körper sofort mit der Reparatur, der Wundheilung. Zunächst wird die Blutung gestoppt und die Wunde durch geronnenes Blut und Eiweiß verschlossen. Abgestorbenes Gewebe und eingedrungene Keime werden von der Abwehr abgebaut und beseitigt, fühlbar als Schwellung und Wärme. Nach einiger Zeit beginnt parallel dazu die wirkliche Reparatur; die Kapillaren werden wieder hergestellt, die Wunde füllt sich mit Granulationsgewebe und wächst langsam zu. Nach und nach vernetzen sich die im Granulationsgewebe enthaltenen Kollagenfasern, das Narbengewebe wird stabiler und belastbarer. 

Im Vergleich zum ursprünglichen Gewebe ist Narbengewebe allerdings ungeordneter, weniger elastisch und belastbar. Und, noch viel entscheidender, verklebt es Muskel- und Gewebsschichten miteinander, welche vorher voneinander getrennt und gegeneinander verschiebbar waren. 

In ihren Beiträgen https://www.facebook.com/plugins/post.php… und https://www.facebook.com/plugins/post.php…“ erklärt und zeigt Ivana Ruddock sehr einleuchtend, wie eine Narbe – von außen nur als kleine Vertiefung sichtbar – innerlich den M. brachiocephalicus, den M. omotransversarius, den M. omohyodeus und sogar den N. phrenicus (ein Nerv, welcher u.a. für die Motorik des Zwerchfells zuständig ist) miteinander verklebt. Durch sie wurde somit jede Bewegung des Vorderbeins, welche den M. brachiocephalicus und M. omotransversarius aktiviert, mehr oder weniger stark auf den den M. omohyodeus und den N. phrenicus übertragen. 
An anderer Stelle, sind – von außen nur durch sorgfältige Palpation spürbar – Fasern des M. splenius miteinander verklebt. 

Durch Narben entstehen also ungewollter Fixpunkte im Körper, welche Muskeln und Faszien, die eigentlich übereinander gleiten sollten, mit unelastischerem Gewebe aneinander koppelt. Dies führt unweigerlich zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und Verspannungen der umgebenen Muskulatur, da der Körper versucht, diese Einschränkung zu kompensieren. 
Je nach Größe, Tiefe und Lage entsteht durch eine Narbe somit ein erheblicher Störpunkt. 

Was kann man tun, um die Auswirkungen von Narben zu lindern? 

Zunächst einmal auf eine sorgfältige Wundpflege achten, je schneller und reibungsloser eine Wunde zu heilen kann, desto ‚schöner‘ wird ihre Narbe. Hat sich stabiles Narbengewebe gebildet, kann dieses ganz sanft (!) und vorsichtig (!) ausgestrichen werden, um ungewollte Verklebungen zu lösen. 
Bei schlecht heilenden Wunden, bspw. an Stellen mit sehr viel Bewegung, kann ein Laser die Heilung unterstützen. Auch bei alten Narben hilft ein Laser (oder geschulte Hände 😉 ), Verklebungen im Gewebe zu lösen und die Narbe somit zu ‚entstören‘.

Dr. AK Baum, 05.11.2019

TEILEN

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email