Ablauf einer osteopathischen Behandlung in Deutschland

Behandlungsablauf

Anamnese-Gespräch

In einem ausführlichen Anamnese-Gespräch erfrage ich die Vorgeschichte Deines Pferdes, seine aktuelle Situation und Lebensbedingungen, Besonderheiten und Auffälligkeiten, sowie Deine Ziele und Wünsche mit und für Dein Pferd. 

Neben wichtigen Informationen zu seiner Gesundheitsgeschichte, aktuellen Beschwerden und Vorbelastungen, zu Haltungsbedingungen und Fütterung sowie zu Trainingszielen und -modalitäten, bekomme ich so einen ersten Eindruck von dem Wesen Deines Pferdes, seinem Verhalten und den an es gestellten Anforderungen.

Ganzheitliche Exterieur-Analyse

In einer gründlichen Sicht-Inspektion betrachte ich Dein Pferd hinsichtlich seines Exterieurs, seiner Gliedmaßen und Huf-Stellung, seiner Ober- und Unterlinie sowie seiner Selbsthaltung.
Die Be- oder Entlastung einzelner Gelenke oder ganzer Gliedmaßen, ihr Aussehen sowie die Hufform und Bemuskelung geben bereits wichtige Hinweise auf Probleme und Restriktionen im Bewegungsapparat.

Weiters betrachte ich die Bemuskelung, ihrer Ausprägung im Seitenvergleich sowie der Ausprägung definierter Kennmuskeln.
Zusammen mit oft sichtbaren Veränderungen der Fell- und Faszientextur gibt dies erste Auskunft über Verspannungen und Kompensationsmuster.

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung überprüfe ich Dein Pferd schließlich auf sichtbare Anzeichen von Einschränkung der Organ-Funktionskreise.
Diese äußern sich meist lang bevor spürbare Organsymptome entstehen u.a. als Auffälligkeiten in Körperbau, Muskel- und Fettverteilung, Verfärbungen und Texturveränderungen des Fells, die Ausprägung des Langhaars und der Hufe, Verfärbungen, Einziehungen oder Verquellungen entlang der Meridiane. 

Bewegungsanalyse

In einer ausführlichen Bewegungsanalyse betrachte ich Dein Pferd an der Hand und Longe, bei späteren Terminen gegebenenfalls auch unter dem Reiter, auf unphysiologische, verbrauchende Bewegungsmuster.

Beurteilt werden bspw. die Symmetrie der Gliedmaßenführung und Fußung, die Schubkraft der Hinterhand, die Losgelassenheit von Genick und Rücken sowie das Zusammenspiel von Vor- und Hinterhand. 

Ungleiche Bemuskelung, Verspannungen der Muskulatur und Faszien oder Kompensationshaltungen führen zu einem unharmonischen, asymmetrischen Bewegungsmuster. 
Neben einer Minderung der Bewegungsqualität haben diese immer auch eine unphysiologische Mehrbelastung bestimmter Strukturen zur Folge.

Muskelfunktionsanalyse

In einer eingehenden Adspektion und Palpation, d.h. einer genauen visuellen und manuellen Betrachtung des Pferdekörpers, wird die Muskulatur Deines Pferdes hinsichtlich ihrer Trophik (Ausprägung) und ihres Tonus (Spannung) beurteilt. 

Ausprägung und Spannung bestimmter Kennmuskeln geben einerseits Auskunft über kompensatorische Bewegungsmuster, andererseits über Strukturen, welche für eine gesunde Fortbewegung Deines Pferdes noch gekräftigt werden müssen. 

So verraten bspw. ein verspannter M. latissimus dorsi und M. pectoralis profundus, oft bereits sichtbar durch ein rückständiges, innenrotiertes Vorderbein, dass das Pferd in der Bewegung nicht physiologisch über seinen Schwerpunkt rollt, sondern sich quasi vorwärts zieht. Ursache kann eine für die geforderte Versammlung noch zu schwache Hinterhand oder eine anders gelagerte Entlastung der Hinterhand sein.
Mehr Informationen dazu in Warum ist mein Pferd rückständig?

Ein anderes typisches Problem ist ein zu steiles Sprunggelenk, häufig verursacht durch verspannte oder verkürzte Ischiokruralmuskulatur. Ursache hierfür können mangelnde Bauchmuskeln, Verdauungsprobleme oder eine zu starke Versammlung im Training sein.
Mehr Informationen dazu in Was ist eigentlich ein steiles Sprunggelenk?

Analyse der Gelenkfunktionalität

Durch genaues Beobachten, sanftes Abstreichen und kinesiologische Muskeltests sowie eine genaue Beweglichkeitsanalyse (in Deutschland) wird jedes Gelenk auf seine individuelle Mobilität und Funktionalität betrachtet.

Restriktionen in einem Gelenk ziehen immer eine Verminderung der Bewegungsqualität und Verspannung der umliegenden Muskulatur nach sich. Dauerhaft entsteht daraus ein kompensatorisches Bewegungsmuster, welches auch weit entfernt liegende Faszien und Muskeln in Mitleidenschaft zieht und sie unphysiologischer Mehrbelastung aussetzt. 

So entsteht bspw. aus Spat in einem Sprunggelenk häufig zunächst eine verspannte Ischiokruralmuskulatur (falls diese nicht schon zuvor bestand), fortlaufend eine Verspannung der Lendenmuskulatur und aufgrund der mangelnden Schubkraft von hinten ein rückständiges und innenrotiertes Vorderbein auf der gegenüberliegenden Seite.

Überprüfung der Hufe

Bequeme, schmerzfreie Hufe sind unabdingbar für ein zufriedenes, losgelassenes Pferd. Bestes Equipment und Training nutzen nichts, wenn die Hufbearbeitung nicht zu Ihrem Pferd passt. Ich lege daher ein großes Augenmerk auf eine genaue Betrachtung der Hufe hinsichtlich Form, Hornqualität, Bearbeitung und Pflege.

Überprüfung des Equipments 

Sattel und Zaumzeug, aber auch Longiergurt oder Decke, haben erheblichen Einfluss auf den freien Bewegungsfluss Deines Pferdes. Zu enge Kopfeisen, Brückenbildung oder drückende Kissen des Sattels, ein scheuernder Gurt oder Decke oder ein unpassendes Gebiss oder unpassend verschnalltes Zaumzeug führen zu Schmerzen, Verspannungen und Abwehrreaktionen. 

Insbesondere der Sattel und das Zaumzeug und Gebiss werden daher genau hinsichtlich ihrer Passform überprüft. Bei Anzeichen auf ein Mängel und Problemen in diesem Bereich bin ich Dir gerne bei der Suche nach einem entsprechend geschulten Kollegen in Ihrer Gegend behilflich.  

Behandlung (D) bzw. Harmonisierung (A)

Aus allen Beobachtungen der vorhergehenden Betrachtung ergibt sich ein Bild Ihres Pferdes, seines Bewegungsmusters, der Spannungszustände in seinem Körper sowie etwaiger muskulärer Dysbalancen und Kompensationshaltungen.

Einschränkungen und Ungleichgewichte, welche aus verspannter oder ungleich entwickelter Muskulatur resultieren, werden entsprechend ihrer Auswirkungen auf die Bewegung und das Wohlbefinden des Pferdes ausgeglichen.

In Deutschland erfolgt der Ausgleich durch Massage und Mobilisation sowie durch myofasziale und energetische Techniken.

In Österreich erfolgt der Ausgleich aufgrund der gesetzlichen Richtlinien allein durch energetische Techniken. Durch die hohe Feinfühligkeit und Empfänglichkeit von Tieren stellt diese Art der Harmonisierung gegenüber den ’sichtbareren‘ Techniken jedoch nur eine minimale Einschränkung dar. 

Bei Einschränkungen oder Kompensationshaltungen, welche auf tieferliegende Probleme wie Lahmheiten oder Krankheiten, hindeuten, muss ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. 

Nachbetreuung

Um die Wirkung der Behandlung optimal auszuschöpfen und die Entwicklung Deines Pferdes in die gewünschte Richtung zu lenken, stehen wir nach einer Behandlung 3-4 Wochen in Kontakt. Abhängig von den Erfordernissen Deines Pferdes erhälst Du einen individuellen Trainingsplan und Vorschläge zu weiteren Maßnahmen sowie Rat und Unterstützung in der jeweiligen Umsetzung.